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Problematisches Glücksspiel - Schuldnerhilfe und Suchthilfe ziehen Bilanz von "fair/play“

15.04.2015

Suchthilfe Essen und Verein Schuldnerhilfe Essen ziehen nach einem Jahr eine positive Bilanz ihres gemeinsamen Projekts „fair/play“. Mit dem von der Essener Krupp-Stiftung finanzierten Angebot wird Betroffenen mit problematischem Glücksspielverhalten Hilfe angeboten. Die Fachkräfte gehen von 3.000 Betroffenen in Essen aus. Von ihnen „verzocken“ 75% ihr Geld an Geldautomaten.

162 Personen haben sich im ersten Projektjahr mit ihren Problemen an die Fachkräfte der beiden Kooperationspartner gewandt. 99 Mal handelte es sich um Betroffene, 63 Mal suchten Angehörige von Betroffenen Rat und Hilfe.

„Die Folgen des pathologischen Glücksspiels“, so Michael Mombeck von der Essener Suchthilfe, „können gravierend sein. Betroffene leiden häufig unter Vereinsamung, Depression und Verschuldung.“

Die Verluste, welche Essener Spieler an den über 2.000 Spielgeräten im Stadtgebiet hinnehmen mussten, stiegen in den letzten 8 Jahren um 228% auf zuletzt 49 Millionen Euro jährlich. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Spielgeräte in den Essener Spielhallen um 56% zu.*

„Auffällig“, so Wolfgang Huber von der Schuldnerhilfe Essen, „sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede. 88% der Betroffenen sind männlich. Suchen dagegen Angehörige Rat, handelt es sich zu 76% um Frauen.“

Betroffen sind in erster Linie junge Menschen. Bei 85% der Ratsuchenden liegt das Eintrittsalter für regelmäßiges Glücksspiel unter 30 Jahre. Jeder vierte hat einen Migrationshintergrund.

61% der Betroffenen weisen neben der Glückspielsucht weitere Abhängigkeiten auf, zum Beispiel eine Drogenabhängigkeit. Diese Probleme können durch andere Angebote der Suchthilfe aufgefangen werden.

Fast alle Ratsuchenden hatten neben ihrer Glücksspielabhängigkeit auch Schuldenprobleme. Die Höhe der Schulden betrug regelmäßig mehr als 20.000 Euro. Insgesamt wurden Forderungen von 418 verschiedenen Gläubigern in der Schuldnerberatung registriert. Mittlerweile konnten im Rahmen der Beratung die ersten Betroffenen erfolgreich in das Verbraucherinsolvenzverfahren geführt werden.

Um der steigenden Glücksspielsucht zu begegnen, wollen die beiden Beratungsstellen ab sofort auch präventiv tätig werden. Durch Informationsveranstaltungen an Schulen werden Jugendliche ab der 10 Klasse über die Gefahren des Glücksspiels aufgeklärt. Auch sind Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer geplant. Interessierte Lehrkräfte können telefonisch einen Termin vereinbaren.

Kontakt:

Verein Schuldnerhilfe Essen e.V. (VSE)
Reinhard Sappok, Tel. 0201/827260
Suchthilfe.Direkt Essen gGmbH
Thorsten Brücher, Tel. 0201/86030

* Entnommen der bundesweiten Erhebung des Arbeitskreises gegen Spielsucht e.V., Unna aus 09/2014; basierend auf kommunalen Angaben zur Anzahl der Geldspielgeräte in Spielhallen und Gastronomie